Der Orwell Schorsch und Vorratsdatenspeicherung
26. Juli 2009 00:25: Die Vorratsdatenspeicherung soll uns in Zukunft wohl vor terroristischen Angriffen schützen.
Ob ihr das gelingen mag oder nicht - die Vorratsdatenspeicherung ist ein erschreckend mächtiges Instrument.
Man ist ja auch schon gewohnt, dass Daten immer und überall erfasst werden. Was aber mit der Vorratsdatenspeicherung möglich ist, ist sehr beunruhigend. An vielen Stellen wurde schon bereits darüber berichtet, aber man kann nie genug darüber erzählen und daher stelle ich kurz dar, was mich erschreckt.
Im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung soll es eine Schnittstelle geben, über die automatisiert die Vorratsdaten eines Teilnehmers abgefragt werden können. Automatisiert...
- heißt hier wirklich vollautomatisch. D.h. es wird hier nicht mehr von Seiten des Providers wahrgenommen oder gar kontrolliert, wer was abfragt.
- Es sind keine richterlichen Beschlüsse notwendig
- solche sind technisch auch gar nicht realisiert.
- diese Schnittstelle wird computertechnisch existieren und einfach bedient werden können.
D.h. eine Ermittlungsbehörde oder auch andere können im Minutentakt das letzte halbe Jahr einer neuen Zielperson abfragen. Das Datenaufkommen ist dabei verhältnismäßig gering, dass man sich auch nicht überlegen muss, ob man evtl. etwas weniger abfragt. "Ach der Speicherplatz ist vorhanden, da frag ich doch gleich nochmal ein paar mehr Personen ab".
Wie der Otto-Normal-Verbraucher seine Emails per Klick abruft ist es so möglich per Klick alle Verbindungsdaten zu einer gewünschten Person abzurufen.
Wenn man nun aber dies mit einer zweiten Eigenschaft der Vorratsdatenspeicherung kombiniert, wird die Technik ganz gruselig. Denn Teil der auf Vorrat abgespeicherten Daten sind auch die Standort-Positionen bei der Mobiltelefonnutzung. Bei jedem Telefonat, bei jeder SMS wird der physikalische Standort mit gespeichert.
Der Grusel erreicht seinen Höhepunkt in der Kombination mit sogenannten stillen SMS oder stealth SMS. Dies sind SMS die auf dem Zielhandy keine sichtbare Reaktion hervorrufen. Der Empfang der SMS wird quittiert. Diese Quittierung ist auch wieder ein Kommunikationsereignis und wird auf Vorrat - mit der Position - gespeichert.
D.h. eine Behörde oder ein Missbraucher kann eine stille SMS an Dein Handy senden (Dein Standort wird protokolliert), die Behörder oder der Missbraucher kann die Vorratsdaten abfragen und weiß genau in diesem Moment, wo Du Dich befindest.
Oder andersrum ausgedrückt, wenn man wissen will, wo Du Dich genau in diesem Augenblick befindest, ohne dass Du es mitbekommst, gibt es nun ein ganz einfaches Instrument.
Und da das alles so automatisierbar ist, kann man das gleich für eine ganze Menschengruppe tun.
Auf dem Gebiet der Vorratsdatenspeicherung gibt es noch viel mehr zu entdecken. Viel zu lesen und zu hören gibt es hier:
http://www.heise.de/newsticker/Vorratsdatenspeicherung-Hohe-Gefahr-des-Missbrauchs--/meldung/142527
http://netzpolitik.org/2009/netzpolitik-podcast-080-frank-rieger-ueber-die-vorratsdatenspeicherung Interview über das Gutachten, leicht verständlich
Gegen das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung - wie schon gegen viele andere Ideen unserer Regierung - läuft aktuell eine Verfassungsbeschwerde.

